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Ratssitzungen per Livestream: Transparenz darf nicht an der Rathaustür enden – Drensteinfurt.peus.info

Ratssitzungen per Livestream: Transparenz darf nicht an der Rathaustür enden

01.08.2026
Drensteinfurt. Inklusion, Transparenz, demokratische Teilhabe und Bürgernähe gehören zu den Grundpfeilern unserer Demokratie. Kaum eine Partei, die diese Werte nicht für sich in Anspruch nimmt – insbesondere in Wahlkampfzeiten. Umso mehr stellt sich die Frage, warum ausgerechnet bei einem vergleichsweise einfachen Instrument für mehr Bürgerbeteiligung seit Jahren kaum Fortschritte zu erkennen sind: der Liveübertragung von Ratssitzungen.

Die Idee ist nicht neu. Bereits vor einigen Jahren hatten die Grünen vorgeschlagen, Ratssitzungen per Videostream zu übertragen. Nach damaligen Beratungen wurden unter anderem Datenschutzfragen, Kosten und die Befürchtung diskutiert, Ratsmitglieder könnten sich vor laufender Kamera weniger frei äußern. Auch wurde darauf verwiesen, dass im Ratssaal ausreichend Zuschauerplätze vorhanden seien. Über den damaligen Stand berichteten die Westfälischen Nachrichten.

Diese Argumente verdienen eine sachliche Diskussion. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob sie heute noch überzeugen.

Denn die Realität vieler Bürgerinnen und Bürger sieht anders aus. Nicht jeder kann an einem Werktag abends ins Rathaus kommen. Berufstätige, Alleinerziehende oder Menschen, die Angehörige pflegen, sind zeitlich oft gebunden. Ältere Menschen oder Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen verzichten möglicherweise auf den Weg in den Ratssaal. Hinzu kommen Wetterlagen wie Glätte, Starkregen oder große Hitze, die den Besuch zusätzlich erschweren. Und schließlich gibt es Menschen, die politische Sitzungen zwar verfolgen möchten, sich aber nicht wohl dabei fühlen, als Zuschauer im Sitzungssaal zu sitzen.

Ein Livestream würde diesen Menschen keine Sonderrechte verschaffen. Er würde ihnen lediglich ermöglichen, kommunalpolitische Entscheidungen dort zu verfolgen, wo sie heute bereits getroffen werden – nur eben von zu Hause aus.

Dabei muss eine Liveübertragung keineswegs ein kostspieliges Großprojekt sein. Moderne Streamingtechnik ist heute vergleichsweise günstig. Selbst eine professionelle Ausstattung mit mehreren Kameras, guter Tontechnik und eigener Streaming-Infrastruktur lässt sich für einen Bruchteil dessen realisieren, was noch vor wenigen Jahren erforderlich gewesen wäre. Für kleinere Kommunen bewegen sich die Investitionskosten häufig im niedrigen fünfstelligen oder sogar im oberen vierstelligen Bereich. Die laufenden Kosten hängen zwar von der Zahl der Zuschauer und der technischen Umsetzung ab, sind aber grundsätzlich kalkulierbar.

Natürlich bleiben Datenschutz und Persönlichkeitsrechte wichtige Themen. Diese müssen sorgfältig geprüft und rechtssicher umgesetzt werden. Andere Städte und Gemeinden zeigen jedoch seit Jahren, dass dies möglich ist. Die technischen und rechtlichen Herausforderungen sind längst keine unüberwindbaren Hindernisse mehr.

Letztlich geht es um eine grundsätzliche Frage: Soll politische Teilhabe davon abhängen, ob jemand an einem bestimmten Abend persönlich im Rathaus erscheinen kann? Oder sollte kommunale Politik dort sichtbar sein, wo sich das öffentliche Leben längst ebenfalls abspielt – im Internet?

Ein zeitlich befristeter Pilotversuch könnte auf diese Fragen Antworten liefern. Er würde zeigen, wie groß das Interesse tatsächlich ist, welche technischen Anforderungen bestehen und ob die häufig genannten Bedenken in der Praxis überhaupt eintreten. Sollte die Resonanz gering sein, hätte man belastbare Erkenntnisse gewonnen. Sollte sie dagegen hoch sein, wäre dies ein deutliches Signal, dass viele Bürgerinnen und Bürger ein solches Angebot nutzen möchten.

Transparenz endet nicht an der Tür des Ratssaals. Sie beginnt dort, wo möglichst viele Menschen die Möglichkeit erhalten, kommunale Entscheidungen mitzuerleben – unabhängig von Alter, Beruf, Gesundheit oder persönlicher Lebenssituation.
(...) Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung „wäre es inkonsequent, da in alten Fahrwassern zu bleiben“, sprach sich Bürgermeister Carsten Grawunder grundsätzlich für ein solches Angebot aus. Doch lediglich eine Webcam aufzustellen, reiche da nicht aus. Er habe sich im Vorfeld in einigen Nachbarkommunen schlaugemacht. In Ascheberg beispielsweise werde nur auf diese Möglichkeit zurückgegriffen, wenn ein Thema mit entsprechender Nachfrage auf der Tagesordnung stehe. Die Gemeinde komme dabei auf Kosten von rund 3000 Euro pro gestreamter Sitzung. Käme eigene Technik zum Einsatz, wäre es unterm Strich wohl etwas günstiger, vermutete Grawunder. (...)
  Westfälische Nachrichten
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